Die Bühnla-Bühne
«Ist es sinnvoll, einen Stall zu erhalten, nur weil er da ist?»
Mit dieser Frage durfte ich mich im letzten Jahr meines Architekturstudiums auseinandersetzen. Im hochgelegenen Rheinwald in der Schweiz, einer von Landwirtschaft geprägten Region, stand dabei weniger die bauliche Transformation im Vordergrund, sondern vielmehr der Umgang mit regionaler Identität und räumlichem Potenzial.
Datum
Jänner 2026
Ort
Rheinwald, Graubünden, Schweiz
Betreuer
Lukas Imhof
Aufgrund meines vor viereinhalb Jahren entstandenen Bezugs zur Schweiz entschied ich mich, meine Diplomarbeit einem leerstehenden Stall – dem Bühnla-Stall – im bündnerischen Bergdorf Nufenen zu widmen.
Zu Beginn setzte ich mich intensiv mit der Geschichte des Tals auseinander, in dem sich das Bestandsobjekt befindet. Dieser historische Zugang ermöglichte es mir, ein tiefgehendes Verständnis für die Kultur, die Menschen und die Landschaft zu entwickeln, die diesen Ort prägen.
Im nächsten Schritt analysierte ich das Tal, in dem sich der Bühnla-Stall befindet, und führte mithilfe eines 360-Grad-Kamerasystems eine detaillierte Bestandsaufnahme durch. Dadurch konnte ich den Stall bis ins kleinste Detail erfassen und auf dieser Grundlage ein Modell im Maßstab 1:20 erstellen, das sowohl den Bestand als auch das neue Raumprogramm abbildet.
Hoch oben auf 1500 Metern, eingebettet zwischen Dreitausendern, liegt das Rheinwald – ein bündnerisches Bergtal, in dem mehr Kühe als Menschen leben. Bei nur rund 600 Einheimischen auch nicht unbedingt schwer.
Das Rheinwald
750 Jahre auf 60 Seiten
Wie bereits erwähnt, bildet die Auseinandersetzung mit den historischen Zusammenhängen des Rheinwalds einen zentralen Bestandteil meiner Arbeit. Darauf aufbauend widmete ich mich auch der Geschichte des Bühnla-Stalls, da sich der sozioökonomische Wandel alpiner Bergregionen deutlich in der gebauten Umwelt ablesen lässt.
Am Nufener Dorfplatz um 1900. Die Geschwister Meuli wandern nach Neusseland aus. Foto von Oskar Meuli aus Sabina Wanners Buch «Rheinwalder Auswanderung im 19. Jahrhundert» auf Seite 139
Bühnla: Ein Normstall, wie er im Buche steht.
Der Bühnla-Stall ist ein typisches Beispiel für die sogenannten Normställe, die zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren entstanden sind. Trotz des damaligen wirtschaftlichen Aufschwungs steht der Stall heute leer – und das, obwohl er innerhalb des Dorfes gut positioniert und in unmittelbarer Nähe zur Autobahn präsent ist. Ganz ungenutzt ist er jedoch nicht: Derzeit dient er provisorisch als Lager für Restaurantmöbel sowie als Skiwachsstube.
Ausgehend von dieser Situation stellte ich mir die Frage, welches Potenzial in einem solchen Gebäude steckt und wie eine zukunftsfähige Nutzung aussehen könnte.
Ist es sinnvoll, einen Stall zu erhalten, nur weil er da ist?
So wenig wie möglich –
so viel wie nötig.
Ein zentraler Ansatz meiner Arbeit war es, so wenig wie möglich in die bestehende Bausubstanz einzugreifen. Gleichzeitig verfolgte ich das Ziel, einen möglichst kosteneffizienten und realistisch umsetzbaren Entwurf zu entwickeln.
Ich bin überzeugt, dass gerade ein reduzierter, klarer und ehrlicher Umgang mit dem Bestand die größten Chancen bietet, die entwickelten Ideen tatsächlich zu realisieren.
Alt vs. neu
Die folgenden vier Slideshows veranschaulichen die präzisen Eingriffe, die im Bühnla-Stall vorgenommen wurden.
Navigieren Sie durch die Inhalte, indem Sie auf die jeweiligen Pfeile klicken.
Im Entwurf spielt die Wiederverwendung eine zentrale Rolle:
So werden beispielsweise alte Heuroste zu einer Bühne umfunktioniert.
Obwohl die Fassade der Bühnla-Bühne bewusst nahezu unverändert blieb, zeigt die folgende Slideshow alle vier Außenseiten, um einen umfassenden Eindruck von den Materialien und Dimensionen des ehemaligen Stalls zu vermitteln.
Was passt rein?
Der revitalisierte Bühnla-Stall wird durch das Entfernen der Innenwände zu einem offenen, flexibel nutzbaren Raumgefüge auf rund 10 x 20 Metern. Die neue Struktur orientiert sich am bestehenden Stützenraster und ermöglicht eine klare, aber wandelbare Raumabfolge.
Nach dem barrierefreien Zugang empfängt ein vielseitig nutzbarer Eingangsbereich die Besucher – je nach Veranstaltung als Empfang, Vorbereitung, Ausschank oder temporäre Küche bespielbar.
Im Zentrum steht der 6,5 Meter hohe Hauptraum mit flexibler Bestuhlung, modularer Heurost-Bühne und integriertem Backstage-Bereich. Die offene Organisation schafft Raum für unterschiedlichste Szenarien und macht den Bühnla-Stall zu einer wandelbaren Bühne für vielfältige Nutzungen
Last but not least.
Abschließend möchte ich einige Eindrücke meines 1:20 Modells zeigen, an dem ich über zwei Monate hinweg intensiv gearbeitet habe.
Ab November wird das Modell im Museum Rheinwald ausgestellt. Dort habe ich die Gelegenheit, meine Ideen, Konzepte und Ergebnisse erneut zu präsentieren – diesmal vor den Einheimischen des Tals.





















