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Das gestapelte
Reihenhaus

Im Rahmen des Masterstudiums beschäftigten wir uns unter dem Titel «Reinventing Munich» zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und der «Wiesn», mit der Goethestraße, – einer vielschichtigen und eher untypischen Straße «Mingas».

Zwischen Sportwettbüros, Gemüseläden und Brautmodengeschäften im Erdgeschoss und Wohnen in den oberen Etagen untersuchten wir neue Ansätze wie einfaches Bauen, flexible Nutzungen und rückbaubare Strukturen. Dabei verstanden wir die bestehende Stadt als Teil eines kontinuierlichen Transformationsprozesses.

Datum

Juni 2023

Ort

Goethestraße, München, Deutschland

Betreuerinnen

Lisa Yamagucchi, Katharina Hohenwarter

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„(…) die Geschichte hält das Bewusstsein wach, dass wir
auch unter Bedrängung beim Entwerfen nie bei Null
beginnen und also auch nicht so schnell aus der
Geschichte fallen.“

– Marcel Meili XXX

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Der Obst- und Gemüseladen im Erdgeschoss des Bestands (Goethestraße)

Auf dem Weg zu einer klimapositiven (Um)Baukultur verändern sich die Anforderungen an die Architektur grundlegend. Themen wie einfaches Bauen, nutzungsoffene Strukturen, Design for Disassembly und die Wiederverwendung bestehender Ressourcen gewinnen an Bedeutung.

 

Die gebaute Umwelt wird dabei nicht mehr als fertiger Zustand verstanden, sondern als Teil eines kontinuierlichen Transformationsprozesses. Entwurfsmethoden, die mit dem Vorhandenen arbeiten – sei es das Gebäude selbst, wiederverwendete Bauteile oder die Geschichte eines Ortes – rücken in den Fokus.

 

Das Studio vertritt die These, dass gerade unter diesen Bedingungen Permanenz und Identität zentrale Werte für eine nachhaltige Architektur darstellen.

Übung 01: Collage

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Eine unserer ersten individuellen Semesteraufgaben in diesem Masterstudio bestand darin, im Anschluss an eine mehrtägige Exkursion nach München mit Lisa Yamaguchi und Katharina Hohenwarter zwei Collagen zu entwickeln – eine zum Stadtraum München und eine zum zugewiesenen Bestandsobjekt in der Goethestraße.

 

Im Rahmen dieses Studios haben wir uns mit Entwurfsmethoden beschäftigt, die bewusst mit bestehender Architektur arbeiten. Dabei sammelten wir individuelle Referenzen zu räumlichen, typologischen und atmosphärischen Fragestellungen und nutzten diese als analytische und konzeptuelle Grundlage für unsere Entwürfe.

 

Durch das Mischen, Verfremden, Vervielfältigen, Verschmelzen, Skalieren, Überlagern, Collagieren und Zitieren entwickelten wir kohärente architektonische Konzepte. Ergänzend dazu integrierten wir vor Ort gefundene Bauteile und setzten diese im Entwurfsprozess wieder ein.

 

Inmitten von München entstanden so gemischt genutzte Gebäude mit neuem Wohnraum, die sich aus der Auseinandersetzung mit dem Bestand und dessen Weiterentwicklung ableiten.

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Wie viele «Bahnhofsviertel» in europäischen Städten empfängt die Goethestraße in München den Ankommenden direkt mit einem bunten, multikulturellen, Rotlichtgetränkten Stadtteil, der zunächst erfrischend wenig mit dem aufgeräumten „Bussi-Bussi“- München zu tun hat, das den Touristen vielleicht zunächst zum Besuch bewegt hat. Nirgendwo in Europa ist die Hoteldichte so groß wie hier. Die meisten Gebäude stammen aus den Nachkriegsjahren und sind schnell und ohne großen Bezug zum „alten München“ entstanden. Sie könnten überall stehen. Gleichzeitig hat sich hier eines der urbansten und multikulturellsten Viertel entwickelt, das seine Berechtigung innerhalb des Münchener Stadtteilgefüges hat. Derzeit befindet sich das Quartier im Wandel. Mehr Wohnraum soll die in die Jahre gekommenen Hotel- und Bürobauten ersetzen.

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Übung 02: Sammeln

Der Nutzungsschwerpunkt lag zunächst auf dem Wohnen, das – wo sinnvoll – mit den jeweils bestehenden Erdgeschossnutzungen kombiniert wurde. Im Entwurfsprozess setzten wir uns dabei intensiv mit dem aktuellen Diskurs zur nachhaltigen Weiterentwicklung von Wohntypologien auseinander.

 

Zentrale Fragen waren dabei: Wie wollen wir heute mitten in der Stadt wohnen? Wie lässt sich der Wunsch nach Freiraum und Grünflächen im urbanen Kontext kompensieren? Wie viel teilen wir, und wo ziehen wir die Grenze zwischen privatem, gemeinschaftlichem und öffentlichem Raum?

 

Diese Fragestellungen prägten maßgeblich die Entwicklung unserer Wohnkonzepte und die räumliche Organisation der Gebäude.

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Zwei prägende Referenzen bildeten die Grundlage meines Entwurfs: das Aufwachsen in einem Reihenhaus sowie ein Buch «Der Bazar». Während das Reihenhaus mein Verständnis für klar strukturierte, funktionale Wohnorganisation prägte, eröffnete die Bildwelt des Suqs eine atmosphärisch dichte, räumlich komplexe Gegenwelt.

 

Aus der Verbindung dieser beiden Pole entwickelte sich die Erdgeschosszone als zusammenhängender, öffentlicher Raum mit Arkaden zur Straße. Die Gegenüberstellung von rechtwinkligen und bogenförmigen Strukturen sowie traditionellen Elementen wie der Mastaba leitete dabei meinen Entwurfsansatz, der unterschiedliche räumliche Prinzipien in einen zeitgenössischen Kontext überführt.

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Übung 03: Innenraumbild

Die Aufgabe stellte das Bild als zentrales Entwurfsinstrument in den Vordergrund und nicht nur als Darstellungsmittel. Ausgehend von einem atmosphärischen Referenzbild wurde ein eigener Innenraum als sinnlich erfahrbare räumliche Idee entwickelt. Dieses Entwurfsbild wurde in einer analogen-digitalen Mischtechnik erstellt und definierte Stimmung, Materialität und Atmosphäre. Erst im nächsten Schritt erfolgte die Übersetzung des Bildes in Grundriss und Schnitt, wobei Entwurfsidee und planerische Anforderungen in Einklang gebracht wurden. Ziel war es, den Entwurfsprozess über das Bild zu beginnen und so atmosphärische Qualitäten früh in die Architektur zu integrieren.

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Wie stapelt man ein Reihenhaus?

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Erdgeschoss
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Die ursprünglichen Erdgeschossnutzungen bleiben erhalten, da sie wesentlich zur Identität der Goethestraße als unverwechselbaren Gegenpol zu München beitragen, und werden durch neue Nutzungen ergänzt. So finden sich künftig Sportwettenbüros, türkische Einkaufsläden und Imbisse in neu geschaffenen Räumen. Das strenge Raster des Basars diente dabei als konzeptionelle Grundlage für die Neuorganisation der Erdgeschosszone.

Grundrisse von Gruppenkollegin Anna

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    1. Geschoss
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    2. Geschoss
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    3. Geschoss
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    4. Geschoss
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    5. Geschoss
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    6. Geschoss
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    7. Geschoss
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Detailschnitt von Gruppenkollege Maxi

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Fassade Foto

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Fassade Entwurf

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Fassade Modell

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